Nachbericht zur INCOVISion 2010
"Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden.
Zur Erreichung dieses Ziels braucht unser Land ein schlagkräftiges Bündnis.“ Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer und die INCOVIS AG luden zur Diskussion über die Zukunft der Mobilität.
"Das konkrete Ziel lautet, bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen.“ Mit diesem Satz formuliert Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (CSU) das ehrgeizige Ziel der im Mai 2010 gestarteten „Nationalen Plattform Elektromobilität" für die Automobil- und Mobilitätsindustrie in den kommenden 10 Jahren. Doch inwieweit ist diese Vorgabe realistisch? Ist Deutschland mit den bereits laufenden oder geplanten Projekten und Initiativen auf dem richtigen Weg? Reichen die Fördergelder des Staates aus bzw. wie muss die Verteilung dieser Gelder erfolgen? Vor welchen Herausforderungen steht die Automobilbranche inklusive Zulieferindustrie, Handel und sonstigen Mobilitätsdienstleistern? Welche Lösungsansätze, Kooperationen und Mobilitätskonzepte sind die Erfolg versprechenden?
- Dr. Peter Ramsauer, MdB
Unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister
Dr. Peter Ramsauer lud die INCOVIS AG zur 2. INCOVISion am Freitag, den 4. Juni 2010 auf die Expo „the electric avenue“ auf der Messe Friedrichshafen ein. Ziel war es, Fach- und Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die sich mit dem Thema Zukunft der Mobilität - insbesondere im Bereich Elektromobilität - beschäftigen, eine Möglichkeit des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zu bieten und einen Statusbericht über den Stand der Entwicklungen zu geben.
Mobilität ist ein Teil unserer Lebensqualität. Dass wir uns auch in Zukunft bewegen werden, steht außer Frage. Aber wird dies nur noch mit Elektrofahrzeugen geschehen? Mieten wir demnächst nur noch bestimmte Strecken? Oder werden vielmehr unsere Verbrennungsmotoren so sparsam, dass wir uns noch lange keine Gedanken über alternative Antriebe machen müssen? Das in Bezug auf dieFortbewegung des Menschen etwas geschehen muss, darüber waren sich die Experten der INCOVISion einig. Aber über die Richtung, in die eine ganze Branche laufen soll, herrschen zum Teil abweichende Meinungen.
Im Bereich der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist für Dr. Veit Steinle vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung mit der Vergabe der Fördergelder die Basis für das von Dr. Peter Ramsauer ausgegebene Ziel gegeben. „Die Industrie müsse nun jedoch die Anreize für Fahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien schaffen.“
- Prof. Dr. Lahl, Ministerialdirektor a.D.
Prof. Dr. Lahl, Ministerialdirektor a.D., sieht in der Batterietechnologie die Schlüssel- technologie für die E-Mobilität. Seiner Meinung nach liegen die deutschen Hersteller hier jedoch deutlich zurück und müssen den „Vorsprung anderer Länder, insbesondere aus dem asiatischen Raum, schleunigst aufholen.“ Das 500 Millionen Euro Programm der Regierung ist dabei ein erster richtiger Schritt.
Allerdings ist laut Lahl eine stärkere Konzentration auf Forschung und Entwicklung insbesondere im Bereich Batterietechnik erforderlich. Ondřej Vaculín vom TÜV SÜD fordert vom Staat, dass noch ausreichende Rahmenbedingungen für den Einsatz von Elektroautos geschaffen werden müssen. „Die sichere Entwicklung von Elektromobilität benötigt definierte Regularien und benötigt eine globale Betrachtung über die einzelnen Disziplinen elektrische, funktionale und chemische Sicherheit, Crashsicherheit, Arbeitssicherheit und Betriebssicherheit“, so der Vertreter des Projekthauses E-Mobility des TÜV SÜD.
- Matthias Pohl, LBBW
Matthias Pohl von der LBBW sieht als Profiteur des Wandels der Mobilitätsbranche vor allem die deutsche Zulieferindustrie. „Die Optimierung des Verbrennungsmotors und andere Innovationen stellen attraktive Übergangstechnologien dar, die zur kurzfristigen Senkung der CO2-Emissionen unverzichtbar sind und damit auch für Zulieferunternehmen interessante Perspektiven bieten können“, so Pohl. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen gibt es auch immer wieder neue Mobilitätskonzepte. Doch welche Geschäftsmodelle sind die richtigen?
- Dr. Reinhold, Deutsche Bahn
Für Dr. Tom Reinhold, Leiter Konzernstrategie und Verkehrsmarkt der Deutschen Bahn AG, liegt die Zukunft der Mobilität in der Realisierung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte, die ein bestmögliches Zusammenspiel unterschiedlicher Verkehrsträger für den Kunden garantieren. Der Erwerb von Kilometern bzw. Reisedistanzen statt dem Besitz eigener Fahrzeuge steht dabei im Vordergrund. „Insgesamt wird die E-Mobilität durch solche Konzepte unterstützt“, so Reinhold.
Rolf Schumann von Better Place betrachtet die Entwicklung zu alternativen Antriebskonzepten als unvermeidlich. Es gilt, „sich von der Abhängigkeit vom Öl zu lösen.“ Das Better Place Konzept hebt dabei den Nachteil der Batterieantriebe (hoher Anschaffungspreis, lange Ladezyklen) durch die Entkopplung von Fahrzeug und Batterie auf. Für Jesko Herrmann von der Bertrandt Projektgesellschaft mbH stellt die IT-Integration innerhalb und zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern die wesentliche Herausforderung dar und wird der „Enabler“ zukünftiger Mobilität. Neben den technischen Aspekten darf aber auch der Endverbraucher nicht außen vor bleiben. „Der Kunde und seine Bedürfnisse stehen bei der Entwicklung alternativer Mobilität zu wenig im Vordergrund“, so Herrmann.
- Volker Dannath, Vorsitzender des Vorstandes der Schwabengarage AG
Diese Auffassung wird durch den Automobilhandel unterstützt. Für Volker Dannath, Vorsitzender des Vorstandes der Schwabengarage AG, müssen der Kunde und seine Bedürfnisse in den Vordergrund aktueller Diskussionen rücken. „Der Automobilhandel ist jedoch noch nicht auf den Wandel der Mobilität vorbereitet“, so Dannath. Ondřej Vaculín vom TÜV SÜD sieht im Handel und in Kfz-Werkstätten ebenfalls entsprechenden Schulungsbedarf auf E-Fahrzeuge.
Neben der Frage nach den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie den Mobilitätskonzepten und Geschäftsmodellen ist jedoch nach wie vor die Frage nach der technischen Umsetzbarkeit der Konzepte offen. Sven Schulz, Geschäftsführer der Schulz Group und von Akasol Engineering, ist der Meinung, dass es bereits Batteriesysteme gibt, die schon heute den Automotive-Anspruch erfüllen und im Serienbetrieb eingesetzt werden können. „Wir werden in den kommenden 5-10 Jahren eine evolutionäre und keine revolutionäre Entwicklung in der Batterietechnologie erleben. Wichtig ist, dass wir jetzt beginnen die vorhandene Batterietechnologie in Serie einzusetzen“, so Schulz.
- Arno Mathoy, BRUSA AG
Für Arno Mathoy, Mitinhaber und Verwaltungsrat der BRUSA Elektronik AG, liegt die wahre Herausforderung bei der Energiegewinnung. „Die heutigen Stromversorger müssen sich ihre privilegierte Rolle aktiver verdienen, sonst entstehen neue Anbieter.“
Auch auf die Autohersteller kommen seiner Ansicht nach große Umwälzungen zu. „Es gilt deshalb, technische Standards festzulegen, welche sich wirtschaftlich umsetzen lassen und die dennoch dem zukünftigen Besitzer eines Elektroautomobils ein Maximum an Bewegungsfreiheit und Komfort sicherstellen und die dabei auch den zukünftigen Herausforderungen der dezentralen Energieerzeugung gerecht werden.“, meint Mathoy. Manfred Erne von den Technischen Werken Friedrichshafen sieht die Erfolgsfaktoren der Elektromobilität „in einer einheitlichen Strategie von Politik, Forschung und Industrie sowie branchenübergreifenden Kooperationen und einem effektiven Kompetenznetz.“ Für Dr. Frank Köster von der EnergieAgentur.NRW sind die konventionellen Verbrennungsmotoren gegenwärtig und in naher Zukunft dominant. „Sämtliche Fahrzeughersteller entwickeln und integrieren vielfältige Möglichkeiten, verbrauchs- und emissionsoptimierter Verbrennungsmotoren. Im Zuge der Dekarbonisierungsstrategie des Kraftstoffmarktes wird sich die Energiebasis des Verkehrs verbreitern und sich neue Kraftstoffe und Antriebe am Markt etablieren“, so Köster. „Bevor wir über die komplette Elektrifizierung der Fahrzeuge sprechen, gilt es zunächst, vorhandene (Einspar-)Potenziale bei konventionellen Antrieben zu nutzen und den breiten Einsatz von Hybridtechnologien für die Masse zu ermöglichen“, meint auch Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V.
- Frank M. Rinderknecht, Rinspeed AG
Für Frank M. Rinderknecht, Gründer und CEO der Rinspeed AG, ist der erfolgreiche Treiber zum Wandel der Mobilität die Nutzung von Emotionen. „Nur dadurch kann ein Paradigmenwechsel im Kopf stattfinden. Das Dreieck Konsument-Infrastruktur-Produkt muss bei der Entwicklung von Fahrzeugen gleichermaßen betrachtet werden.“
Für Kai Steckmann von der SFC AG ist die Brennstoffzelle ein zukünftig wichtiges Element im Elektrofahrzeug. „Sie dient als Strom- und Wärmequelle im E-Fahrzeug. Dies steigert die Wintertauglichkeit und den Komfort von Elektrofahrzeugen.“
In den Keynote-Vorträgen und Workshops der INCOVISion haben die hochkarätigen Referenten und Experten der Automobil, Energie- und Mobilitätsindustrie die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen der Branche aufgezeigt und somit den Teilnehmern des Innovationsforums in spannenden Diskussionen einen tieferen Einblick in die jeweiligen Projekte und Konzepte gegeben. Welche der Modelle Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Auf der INCOVISion 2011 werden hierzu vielleicht bereits die ersten Antworten gegeben.
Bei Interesse an den Tagungsunterlagen mit den Referenten-Vorträgen der INCOVISion 2010 wenden Sie sich bitte direkt an uns über die Kontaktinformationen.



